Homöopathie

“Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll."
Samuel Hahnemann ( 1755 - 1843)
Organon der Heilkunst

“Similia similibus curantur"“
“Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt"

Die Homöopathie basiert auf drei Grundregeln:

1. Arzneimittelprüfung an Gesunden
2. Erhebung des individuellen Krankheitsbildes
3. Arzneimittelwahl nach dem Ähnlichkeitsprinzip

Die Erhebung des individuellen Krankheitsbildes beinhaltet eine detaillierte Anamnese unter Berücksichtigungaller körperlichen und seelischen Symptome des Patienten. Hahnemann definierte Krankheit als Störung der Lebenskraft. Da sich die Lebenskraft oder “Dynamis"natürlich nicht an einem Ort isoliert aufhält, sondern allgemein die Lebensfunktion steuert, kann auch nicht ein Ort, ein Organ, ein Teil des Körpers isoliert als krank bezeichnet werden. Immer ist das ganze Tier betroffen.

Hahnemann beschreibt die Lebenskraft als eine im Menschen waltende, instinktartige Kraft, welche die Lebensfunktionen organisiert und regelt. Instinktartig bedeutet, dass die Lebenskraft mehr oder weniger neutral auf äußere oder innere Reize reagiert und das Bestreben hat, das in einem Menschen vorhandene Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Die Reaktion der Lebenskraft auf Störungen zeigt sich
ausschließlich in den Symptomen des betreffenden Organismus, die dieser daraufhin produziert.

Beim Menschen ist Krankheit eine “Ich"-Funktion. Die Störung der Lebenskraft, also die erste Phase des “Krankseins", ist schon durch eine feine subjektive Gemütssymtomatik spürbar. Krankheit beim Mensch ist ein ich-bezogenes, bewusstes Erlebnis. Beim Tier wird eine Krankheit nicht bewußt wahrgenommen oder erlebt. Tiere nehmen ihre Erkrankung hin, ohne sich damit auseinander zu setzen und ohne ihre Schick-
sal bewußt zu verarbeiten.

Die Symptomatik der Matereia Medica ist auf Tiere nur übertragbar, wenn wir die Symptome des Tieres mit den Symptomen der Meteria Medica vergleichen, die nur aus Arzneimittelprüfungen stammen.

Für die Tierhomöopathie sind nicht die Endhandlungen ausschlaggebend, sondern die Motivation, die sie ausgelöst hat. Beispiel “Kratzen" eines Hundes: Ein Hund kann sich aus Verlegenheit kratzen oder weil er Juckreiz hat, einen stechenden Schmerz spürt, u.U. aufgrund des sog. Aufmerksamkeit fordernden Verhaltens, schließlich könnte er sich auch kratzen, weil sich eine sog. Stereotypie eingeschlichen hat. Bei allen Hunden ist das Kratzen als Endhandlung gleich, die Motivationen sind unterschiedlich

Für eine homöopathische Heilung ist die Motivation wichtig, denn sie alleine spiegelt die Krankheitssymptomatik, und nur das so gewählte Mittel, das diese Symptomatik auch im Arzneimittelbild hat, kann eine Heilung hervorbringen.
Beispielweise lassen sich stechende Schmerzen mit Acidum nitricum behandeln, weil es auch solche Schmerzen erzeugt. Es ist aber irrelevant, wie man darauf reagiert.
Ein Hund kann sich scheuern, belecken, wälzen oder es lassen, weil es Herrchen v erboten hat. Noch ein Beispiel: Tränenfluß bei einem Hund. Der Fall scheint eindeutig, die Tränen tropfen aus den Augen und bilden eine regelrechte Straße im inneren Augenwinkel und verfärben die Haare. Der Fall scheint einfach, man findet eine Gruppe von Mitteln, die Tränenfluß erzeugen, und diesen auch heilen können. Wenn aber die Tränendrüsen normal arbeiten, aber die Abflußwege verstopft sind, ist doch kein passendes Mittel gefunden. Passend wäre ein Mittel, das den verstopften Tränenkanal abdeckt.
Beispiel Lahmheit: Lahmheit findet sich in der Materia Medica nicht, weil die Probanden sehr genau den Ort und die Empfindungen sowie die Modalitäten beschrieben haben. Zuerst muß der Ort der Erkrankung, dann die Empfindunge und die Modalitäten, evtl die auslösenden Faktoren angegeben werden. Erst dann kann das Mittel gesucht werden, das

* Schmerzen im Sprunggelenk erzeugt
* Schmerzen durch Bewegung besser werden
* Schmerzen durch Kälte, Nässe augelöst werden

Alle Angaben beziehen sich auf das Sprunggelenk

Tierhomöopathie

1. Klinische Diagnose stellen.
Durch die Symptomatik und Pathogenese einer Krankheit läßt sich auf die Handlungsbereitschaft schließen.
2. Tierethologie
Ausschluß der unwichtigen Symptome, die z.B: aus erstanden sind.
Symptomgruppen:
Auffallende sonderliche, “eigenheitliche" und paradoxe Symptome; eindeutige Kausalitäten: Kältegefühl in den Blutgefäßen, Folgen von Kummer darüber weinen zu können, Folgen von Impfungen, Folgen von Schreck.
Aufällige Gemütssymptome:
Ruhelosigkeit, Nervosität beim Alleinsein, Gute Stimmung einem Gewitter.
Allgemeinsymptome:
die das ganze Tier (Menschen ) betreffen:m Einflüsse durch Wetter, Temperaturschwankungen, Tageszeiten usw. Wetterwechsel verschlechtert, Seeluft bessert, Verlangen nach kalten Speisen.
Auffällige Begleitsymptome:
Husten beim Bücken
Lokalsymptome:
Ihre Bedeutung steigt mit dem Grad ihrer Auffälligkeit
Geringer Wert: Herzklopfen bei Anstrengung
Höherer Wert: Herzklopfen beim Erwachen. Herzklopfen nach dem Abendessen.

Potenzierung:
= die stufenweise Verdünnung.
Hahnemann entdeckte, dass bei vielen Substanzen die Heilkraft erst durch die Potenzierung freigesetzt wird.
D-Potenzen: 1 Teil Ausgangssubstanz wird mit 9 Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt > D1
Von dieser D1 wird wiederum 1 Teil mit 9 Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt > D2.
C-Potenzen: 1 Teil Ausgangssubstanz wird mit 99 Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt > C1

Loschmidtsche Zahl:
Ab einer Verdünnung jenseits der D24 oder C11 ist kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden.

Heilungsverlauf “Heringsche Gesetz":
* Von oben nach unten
z.B: zur Zeit Schulterschmerzen > nach Behandlung besser dafür Rückenschmerzen > Knieschmerzen Knöchelschmerzen.
Der jeweils “neue" akute Zustand wird nicht behandelt, da er von alleine ausheilt.
* Von innen nach außen:
Vom Zentrum zur Peripherie. Zuerst Psyche, Gemüt dann lebenswichtige Organe wie Herz, Niere dann Bewegungsapparat.
* In umgekehrter Reihenfolge des Entstehens:
Krankheiten , die erst kürzlich aufgetreten sind, werden zuerst geheilt. Am Schluß verschwinden die Krankheiten, die am längsten bestehen.

Krankheit und Heilung
- Warum erkrankt der eine an Grippe, während der andere gesund bleibt, obwohl beide mit dem gleichen Grippepatienten in Kontakt kamen?
- Warum reagiert ein Mensch nach dem Genuß eines Nahrungsmittels mit heftigem Hautausschlag, während der andere es ungestört essen kann?

Mit diesen Fragen setzte sich Hanemann auseinander, und kam zu dem Schluß, daß eine dem Organismus übergeordnete Kraft alle Lebensfunktionen steuert. Die Lebenskraft oder Dynamis.
Sobald die Lebenskraft geschwächt oder ins Ungleichgewicht gebracht wird, z.B: durch Streß (Turniere), Überbelastung, Psychische Probleme. Der Organismus ist vor krankmachenden Einflüssen, z.B: Bakterien, Viren, Pollen usw. nicht mehr geschützt. Nur die gestörte Lebenskraft verursacht Krankheiten. Gewebs- und Organveränderungen, Entzündungen usw. sind nicht die Krankheit selbst, sondern nur das Resultat des Krankheitsgeschehens. Sie weisen lediglich darauf hin, dass im Inneren etwas nicht in Ordnung ist. Der Patient ist nicht krank weil er einen Tumor hat, sondern der Tumor ist da, weil der Patient krank ist.

Bei der akuten wie auch bei der chronischen Erkrankung ist die Lebenskraft verstimmt. Die Selbstheilungskraft versucht entlastende Wege über den Körper und die Ausscheidugsorgane. werden nun diese Ausscheidungs- und Reinigungsvorgänge wie Hautausschläge, Durchfälle, Erbrechen, Fieber, Nasenausfluß usw. Mit Medikamenten unterdrückt, kann sich aus einer akuten Krankheit eine chronische entwickeln, da die Lebenskraft daran gehindert wurde, die Krankheit an die Oberfläche des Körpers zu bringen.

Unterdrückung des Heilungsverlaufes
Oft geschieht es, dass durch eine Behandlung Beschwerden verschwinden, aber nach kurzer Zeit erneut wieder auftreten, oder sich eine neue Krankheit anstelle der Beschwerden meldet. Dabei besteht die Tendenz, dass sich die Krankheit von
außen (Körperoberfläche) nach innen verlagert und dadurch gefährlicher wird > = Unterdrückung. Sie entsteht wenn eine Krankheit rein symptomatisch behandelt wird, ohne die Ursache zu betrachten (die geschwächte Lebenskraft).
Beispiel:
Hautausschlag wird mit cortisonhaltiger Salbe behandelt nach einer Woche ist er abgeheilt. Nach drei Wochen tritt er an anderer Stelle stärker wieder auf. Behandlung mit stärkerer Salbe. Nach halbjähriger Behandlung weg. Im nächsten Frühjahr erstmals Heuschnupfen mit Atemproblemen. Dieser Heuschnupfen ist die Folge eines unterdrückten Hautausschlages. Man kann auch mit Homöopathie und anderen Therapieformen unterdrücken, wenn man das Tier nicht in seiner Ganzheit betrachtet. Gerade bei homöopathischen Komplexmitteln, deren Einzelkomponenten je nach Krankheitssymptomen ausgewählt sind, ist die Gefahr der Unterdrückung sehr groß.

Während des Heilungsprozesses können Reaktionen auftreten. Werden diese mit anderen Therapien (Mitteln) behandelt, können diese den Heilungsprozess unterdrücken oder stören.